Aus Zeitgründen konnte ich meinen Redebeitrag leider nicht halten, hier aber der geplante Text in Gänze:
Sehr geehrte/r Präsident/in, sehr geehrte Damen und Herren,
Stellen Sie sich vor, wie es sich anfühlt, wenn das eigene Leben plötzlich aus den Fugen gerät – nicht etwa durch eine sichtbare Bedrohung, sondern durch eine Welle digitaler sexualisierter Gewalt, die unsichtbar, aber unerbittlich zuschlägt. Für viele Menschen, besonders für Frauen und Mädchen, ist das bittere Realität. Digitale Gewalt ist keine Randerscheinung, sie ist bittere Wirklichkeit – und wir müssen mit aller Deutlichkeit sagen: Digitale Gewalt ist echte, schmerzhafte Gewalt.
Wer ungefragt intime Bilder verbreitet, Menschen digital überwacht, sie im Netz bedroht oder mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz täuschend echte Deepfakes erstellt, verletzt zutiefst die Würde, das Recht auf Privatsphäre und die sexuelle Selbstbestimmung eines anderen Menschen.
Die Folgen für die Betroffenen sind oft verheerend: Angst, Scham, tiefe seelische Verletzungen und soziale Ausgrenzung.
Stellen Sie sich vor, wie einsam, wie ohnmächtig, wie verzweifelt sich ein Mensch in solch einer Lage fühlen muss.
Digitale Gewalt geht heute Hand in Hand mit fast jedem Fall geschlechtsspezifischer Gewalt. Beratungsstellen berichten, dass Betroffene sich nicht nur vor körperlicher, sondern auch täglich vor digitaler Gewalt fürchten. Besonders KI und Deepfakes verschärfen die Situation erheblich.
Der Schutz der Opfer muss an erster Stelle stehen. Die Istanbul-Konvention verpflichtet uns, Frauen vor jeder Form von Gewalt zu schützen und Betroffene wirksam zu unterstützen – auch angesichts neuer Gewaltformen. Unsere Hilfesysteme müssen wir mutig weiterentwickeln, damit niemand durch das Raster fällt.
In Hamburg arbeiten wir daran, das Hilfesystem mit mehr technischer Kompetenz, Empathie und Verständnis auszustatten. So können wir Betroffene auffangen und stärken.
Wer betroffen ist, sieht sich oft unüberwindbaren Hürden gegenüber. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Opfer nicht allein gelassen werden, sondern Unterstützung und Solidarität erfahren.
Unser Ziel: Menschen sollen ihre Rechte auf Schutz und Würde selbstbewusst und ohne Angst durchsetzen können, bei sinkender Belastung für die Opfer. Niemand darf mit den Folgen allein bleiben!
Opferschutz bedeutet für uns: Wir hören zu, wir handeln, wir stehen zur Seite – mit Mitgefühl und Taten. Niemand soll im Schatten bleiben. Das ist unser Versprechen und unser Auftrag.
Im digitalen wie im analogen Raum gilt: Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat keinen Platz in unserer Gesellschaft – nicht heute, nicht morgen, niemals. Lassen Sie uns gemeinsam dafür eintreten.
Ich danke Ihnen!