Quelle des Videos: Hamburgische Bürgerschaft
Sehr geehrter Herr Präsident,
meine Damen und Herren,
der erste Schritt, sich Hilfe zu holen, kostet Menschen mit einer psychischen Erkrankung oft unglaublich viel Kraft. Wer diesen Schritt schafft, braucht jemanden, der zuhört, und erreichbare Hilfe. Die Suche nach einem Therapieplatz darf nicht zur nächsten Überforderung werden.
Der Hamburger Psychiatrieplan 2025 benennt den Handlungsbedarf deutlich: Die Anträge auf Unterbringung nach dem Hamburgischen Psychisch-Kranken-Gesetz sind von 2.652 im Jahr 2002 auf 4.756 im Jahr 2023 gestiegen.
Hinter diesen Zahlen stehen Menschen in schweren Krisen. Unser Auftrag ist, sie früher zu erreichen. Gerade bei schweren psychischen Erkrankungen kann die Suche nach Hilfe zu einer scheinbar unüberwindbaren Hürde werden. Wer kaum noch Kraft für den Alltag hat, kann nicht nebenbei einen Therapieplatz organisieren.
Hamburg hat viele qualifizierte Praxen. Aber sie sind ungleich verteilt: dicht rund um die Alster, deutlich weniger in Harburg und Bergedorf. Für uns als SPD ist klar: Gute Versorgung darf nicht davon abhängen, in welchem Stadtteil jemand lebt.
Deshalb setzen wir auf vernetzte Versorgung vor Ort. Gemeindepsychiatrische Verbünde in allen sieben Bezirken sollen Kliniken, Praxen, Eingliederungshilfe, Jugendhilfe und Wohnungslosenhilfe verbindlich zusammenbringen – mit einer Psychiatriekoordination, die dranbleibt.
Nach einem Klinikaufenthalt muss die Behandlung weitergehen. Medizinische Versorgung und Alltagshilfen müssen zusammenpassen.
Home Treatment bringt Behandlung zu den Menschen. Das Hamburger Krisentelefon hat in seinen ersten beiden Jahren rund 7.000 Beratungen geleistet.
Doch manche Aufgaben brauchen Lösungen durch den Bund und die zuständige Selbstverwaltung.
Erstens: die Honorare.
Wer schwer psychisch erkrankte Menschen behandelt, aufsuchende Hilfe leistet und sich mit anderen Fachkräften abstimmt, braucht eine Vergütung, die diesen Aufwand abbildet. Gute Versorgung darf für Praxen kein Zuschussgeschäft sein.
Zweitens: die verlässliche Behandlung chronisch erkrankter Menschen.
Stabilisierung ist für viele ein großes Ziel: den Alltag bewältigen, Beziehungen halten, eine erneute schwere Krise vermeiden.
Die Psychotherapie-Richtlinie kennt Angebote zur Rückfallvermeidung. Trotzdem müssen wir genauer hinsehen, wo längerfristige Begleitung nötig ist und bestehende Angebote nicht ausreichen. Wenn Hilfe abreißt, steigt das Risiko erneuter Krisen und Klinikaufenthalte.
Drittens: die Weiterbildung.
Für mehr wohnortnahe und aufsuchende Psychotherapie brauchen wir Nachwuchs. Doch die Finanzierung der neuen Weiterbildung ist noch immer nicht ausreichend gesichert.
Junge Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten brauchen finanzierte Stellen und angemessene Gehälter. Auch Anleitung und Qualifizierung kosten Geld. Praxen und Weiterbildungsambulanzen können diese Last nicht allein tragen.
Wir tragen als SPD in Hamburg und im Bund Regierungsverantwortung. Deshalb müssen wir die Finanzierungslücken schließen und die Reform zu Ende bringen. Fehlende Weiterbildungsstellen heute bedeuten fehlende Behandlungsmöglichkeiten morgen.
Auch aufsuchende Behandlung braucht tragfähige Finanzierung. Für das Modell des Assertive Community Treatment konnte laut Psychiatrieplan nach dem Ende der Projektmittel zunächst keine Anschlussfinanzierung erreicht werden.
Solche Ansätze müssen sorgfältig geprüft und Lösungen mit den Krankenkassen vereinbart werden. Versorgungslücken belasten die Betroffenen, ihre Angehörigen, die Kliniken und die sozialen Hilfen.
Hamburg muss seine Hausaufgaben weiter machen: mit Koordination, verbindlichen Verbünden und erreichbarer Krisenhilfe. Bund, Krankenkassen und Selbstverwaltung müssen ihren Teil beitragen: tragfähige Honorare, verlässliche Hilfe bei chronischen Erkrankungen und eine ausfinanzierte Weiterbildung.
Dafür setzen wir uns als SPD ein.
Am Ende geht es um den jungen Menschen, der beim ersten Anruf jemanden erreichen muss, der zuhört. Um die ältere Frau, die ihre Wohnung nicht mehr verlässt und zu der jemand nach Hause kommt. Um den Mann in der Krise, der rechtzeitig Unterstützung braucht.
Und um die Angehörigen, die Orientierung und Entlastung brauchen.
Diesen Menschen sagen wir: Du bist nicht allein. Wir sorgen dafür, dass es in Hamburg ein Netz gibt, das dich trägt.
Vielen Dank!