Quelle des Videos: Hamburgische Bürgerschaft

Sehr geehrtes Präsidium,
sehr geehrte Damen und Herren,

inmitten der zahlreichen Krisen, die uns aktuell beschäftigen, dürfen wir den Blick auf die Herausforderungen nicht verlieren, die mit großer Sicherheit auf uns zukommen werden. Eine dieser Herausforderungen ist der demografische Wandel.

Der demografische Wandel ist keine abstrakte Zukunftsfrage mehr – er ist längst Realität in unserer Stadt. Hamburg wird älter. Und mit jedem Jahr wächst die Zahl der Menschen, die nicht nur länger leben, sondern auch länger selbstbestimmt leben wollen. Genau darin liegt unsere Verantwortung – und unsere Chance.

Unser Anspruch muss ein gutes, selbstständiges und würdevolles Leben im Alter sein, meine Damen und Herren.

Hamburg hat früh erkannt, welche Bedeutung die Altersmedizin hat. Die Krankenhausgeriatrie und die geriatrische Frührehabilitation sind heute tragende Säulen unserer Versorgung – und darauf können wir stolz sein.

Aber wir dürfen uns auf diesen Erfolgen nicht ausruhen. Denn die Versorgung weist eine entscheidende Lücke auf: die stationäre und teilstationäre geriatrische Rehabilitation.

Diese Lücke hat konkrete Folgen. Ältere Patientinnen und Patienten verlassen Hamburg, um in anderen Bundesländern eine passende Rehabilitation zu erhalten. Das ist weder patientengerecht noch entspricht es unserem Anspruch an eine wohnortnahe Versorgung.

Denn geriatrische Rehabilitation bedeutet weit mehr als Genesung nach einem Eingriff. Sie ist der Schlüssel dazu, Selbstständigkeit zu erhalten. Sie ist gelebte Prävention. Und sie ist – im besten Sinne – Umsetzung des Prinzips „Reha vor Pflege“, meine Damen und Herren.

Gerade im Alter entscheidet sich oft in kleinen Zeitfenstern, wie der weitere Lebensweg aussieht: Wird aus einer Schwächephase dauerhafte Pflegebedürftigkeit – oder gelingt die Rückkehr in die eigene Häuslichkeit?

 Prävention beginnt nicht erst im Krankenhaus. Stürze sind eine der häufigsten Ursachen für Pflegebedürftigkeit – und sie sind in vielen Fällen vermeidbar. Gezieltes Training, Aufklärung und therapeutische Begleitung können Muskelabbau verlangsamen, Mobilität erhalten und Sicherheit im Alltag geben.

Das bedeutet: Wir müssen früher ansetzen. Systematischer und Nachhaltiger.

Und genau hier setzt unser Antrag an.

Ein zweistufiges Versorgungssystem – wie es andere Bundesländer bereits erfolgreich praktizieren – verbindet die akute Behandlung mit einer weiterführenden Rehabilitation. Dieses Modell senkt nachweislich das Risiko von Pflegebedürftigkeit, reduziert Wiedereinweisungen und stärkt die Lebensqualität der Betroffenen.

Das ist nicht nur sozialpolitisch geboten – es ist auch ökonomisch vernünftig. Denn jeder vermiedene Pflegefall entlastet langfristig unser Gesundheits- und Pflegesystem, meine Damen und Herren.

Geriatrische Rehabilitation ist auch ein wirkmächtiges Instrument gegen den Fachkräftemangel. Sie reduziert Pflegebedarfe, entlastet Pflegekräfte und ermöglicht es Fachpersonal, gezielter und wirksamer einzusetzen. Gleichzeitig entstehen neue, attraktive Arbeitsfelder in multiprofessionellen Teams – von der Medizin über die Therapie bis hin zur Pflege.

Das ist eine Zukunftsperspektive, die wir aktiv gestalten müssen.

Meine Damen und Herren,

es geht bei diesem Antrag nicht nur um zusätzliche Plätze oder neue Strukturen. Es geht um ein Leitbild des Alterns in unserer Stadt. Ein Leitbild, das auf Selbstständigkeit, Teilhabe und Würde setzt.

Es geht darum, dass Menschen möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben können. Dass sie Unterstützung bekommen, bevor sie sie zwingend brauchen. Und dass wir als Gesellschaft die richtigen Rahmenbedingungen dafür schaffen.

Hamburg hat die Chance, seine Vorreiterrolle weiter auszubauen. Die gesetzlichen Voraussetzungen sind geschaffen. Die fachlichen Konzepte liegen vor. Jetzt braucht es den Willen aller Akteure in unserer Stadt wie die Krankenkassen, die Selbstverwaltung oder die Ärztekammer für die Umsetzung. Auch die Geriatrischen Institutsambulanzen können Ihren Beitrag dazu leisten.

Lassen Sie uns diesen Schritt gemeinsam gehen.

Für eine moderne Altersmedizin.
Für mehr Lebensqualität im Alter.
Und für eine Stadt, die Verantwortung übernimmt – für alle Generationen.

Vielen Dank!

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